Südtirol, Sommer 2019 – Hinreise

Dieses Jahr sind wir für unseren Urlaub nicht in die USA geflogen, sondern wir bleiben ganz bodenständig in Auto-Reichweite: Wir wollten schon länger mal ganz gerne nach Südtirol, also wurde es das, und zwar genauer gesagt das Vinschgau. Schon im Februar hatten wir uns für zwei Juni-Wochen eine Ferienwohnung in Schlanders reserviert, weil der Juni auch schon sehr schön sein soll, der Juli und August aber traditionell extrem von Touristen überlaufen sein soll, und diese Welle wollten wir ganz gerne vermeiden.

Für die Fahrt rechneten wir mit sechs Stunden Fahrtzeit ohne größere Pausen und ohne Stau – am Ende wurden es acht. Zwar auch ohne größeren Stau, aber dafür mit jeder Menge Vorschläge seitens unseres Navigationsgerätes zur Stauvermeidung… und mit einem kleinen *hust* Umweg über die Schweiz. Und die Baustellen und Umleitungen meinten es auch wirklich nicht gut mit uns gestern. Aber alles in allem war es schon gut so, wie es war; das letzte Viertel der Strecke wurde nämlich richtig cool.

Es fing alles schon kurz vor Bruchsal an, als das Navi uns zur Stauvermeidung einen Alternativvorschlag unterbreitete. Da der vor uns angezeigte Stau wirklich ziemlich lang aussah, nahmen wir den Vorschlag an und folgten der neu berechneten Route erst über die Landstraße und dann nach Bruchsal hinein. Und die Stadt Bruchsal gewinnt mit Abstand den Preis für die bescheuertste Verkehrsführung des Jahres.
Unser Navi wollte, dass wir an einer Stelle links abbiegen; wegen einer Baustelle ging das aber nicht. Okay, kein Problem, da war ein Umleitungsschild, dem wir folgen konnten. Die Umleitung führte uns eine ganze Weile geradeaus weiter, dann ebenfalls nach links und ein Stückchen weiter noch einmal nach links, so dass wir jetzt praktisch parallel zur Hauptstraße wieder auf die Straße zufuhren, wo wir eigentlich hätten links abbiegen sollen. Soweit so gut – nur dass wir dann auf dieser Straße, wo es eigentlich aus Bruchsal hätte herausführen sollen, weder rechts noch links weiterging – links war klar, um diese Sperrung waren wir ja per Umweg herumgeleitet worden, aber auch rechts war die Ausfahrt auf die Bundesstraße komplett gesperrt… und das, obwohl das Umleitungsschild eigentlich noch dorthin zeigte. Es blieb uns also nichts weiter übrig, als den ganzen Umweg wieder zurückzufahren und dann aber an der Hauptstraße eben nicht zu dieser Sperrung zurückzukehren, sondern wieder links abzubiegen und Bruchsal auf diesem Weg zu verlassen. Dieses Hin und Her kostete uns schon mal mindestens eine halbe Stunde, glaube ich.

Im weiteren Verlauf der Fahrt standen wir dann nur einmal wirklich im Stau, aber das Navi machte noch etwa drei weitere Vorschläge bezüglich Stauvermeidung. Der letzte davon kam, als wir schon in Österreich waren, und da es sich um einen ziemlich massiven Stau handelte, wie es aussah, nahmen wir auch diesen Vorschlag an. Das Navi lotste uns bei Dornbirn von der Autobahn herunter und über die Landstraße – und dann fuhren wir über den Rhein und fanden uns an der Schweizer Grenze wieder, wo wir schon sehen konnten, dass das Navi uns direkt hinter der Grenze auf die Schweizer Autobahn lotsen wollte… und das, wo wir keine Schweizer Autobahnvignette hatten! Umdrehen und den ganzen Weg zurückfahren war aber auch doof, und wir sahen beim Heranfahren an den Grenzposten, dass es nicht nur links und rechts auf die Autobahn ging, sondern auch geradeaus über Landstraße weiter, wir also versuchen könnten, die Autobahn zu vermeiden. Prompt hielt uns ein Schweizer Grenzer an und fragte, wohin wir denn unterwegs seien. “Südtirol, Vinschgau”, sagten wir, “das Navi hat uns über die Schweiz geleitet.” Der Grenzer befand, dann bräuchten wir aber eine Vignette, woraufhin wir erwiderten, dass wir versuchen wollten, die Autobahn zu vermeiden, und dass wir das, was unser Navi gerade anzeigte, ignorieren wollten. Die trockene Antwort des Grenzbeamten: “Haben Sie Zeit?”
Naja, die würden wir dann wohl haben müssen, erwiderten wir, woraufhin er uns ohne Vignette durchließ. Und wir nahmen natürlich wirklich brav die Landstraße und bogen nicht auf die Autobahn ab.
Nachdem wir das Navi auf “Autobahn vermeiden” gestellt hatten, damit es uns nicht ständig wieder auf die Autobahn schicken würde, verlängerte sich die berechnete Fahrtzeit gleich lustig um eineinhalb Stunden – aber es wurden sehr coole eineinhalb längere Stunden. Von der Grenze  aus nahmen wir Liechtenstein in fast seiner ganzen Länge auch gleich noch mit (die Landstraße führt dort parallel zur Autobahn) und gerieten in Vaduz gleich wieder in eine größere Baustelle mit Umleitung, die aber diesmal nur ca. 5 Minuten kostete.

Schloss Vaduz

 

Hinter Liechtenstein waren es dann nur noch ca. 20 km bis Landquart – und damit war es Zeit für einen massiven Nostalgieflash. Bis ca. 2002 war ich nämlich mit meinen Eltern jeden Herbst in Davos – als Kind und Jugendliche mit dem Zug, und später, als ich meinen Führerschein hatte, dann mit dem Auto. In Landquart waren wir da immer von der Autobahn abgefahren und dann hoch in die Berge bis Davos – und von Davos aus hatten wir immer viele Ausflüge über den Flüela-Pass hinüber ins Engadin gemacht. Das war jetzt auch genau die Strecke, die wir fahren mussten, und ich kannte noch alles. Wir mussten langsam tanken, und ich wusste noch genau, dass kurz hinter Landquart eine Doppeltankstelle (also auf beiden Seiten der Straße) kam; ich kannte noch jede Kurve und jedes Gebäude (außer ein paar neuen, die seither hinzugekommen waren). Es war nur ein bisschen seltsam, nach all den Jahren mal nicht selbst am Steuer zu sitzen, sondern Beifahrerin zu sein und einfach nur schauen (und das eine oder andere Foto machen) zu können.

Hinauf zum Flüela-Pass

 

So früh im Jahr war ich auch noch nie in der Gegend gewesen, und so war ich richtig erstaunt, wieviel Schnee noch oben auf dem Flüela-Pass lag. Ich kannte das Gebiet bisher immer nur völlig schneefrei.

Auf dem Flüela-Pass

Auf der anderen Seite des Passes, im Engadin drüben, fuhren wir den altbekannten Weg nach Zernez, dann hinauf zum Ofenpass und weiter ins Val Müstair, wohin mein Vater und ich im Herbst 1991 mal eine Vier-Pässe-Tour (Flüela, Ofenpass, Umbrail-Pass und Passo di Stelvio) mit dem Schweizer Postbus gemacht hatten. Auf dem Weg hinunter ins Val Müstair fing es an zu regnen, aber gleichzeitig schien die Sonne, und wir sahen einen der tollsten Regenbögen, die ich je gesehen habe: ähnlich, aber vielleicht nicht ganz so toll wie die Reihe von Regenbögen quer über die Autobahn auf dem Weg nach Nordhessen letztes Jahr. Wobei – es waren hier zwar vielleicht nicht so spektakulär viele, aber dafür war die Landschaft hier deutlich schöner als das flache Waldhessen.

Auf dem Weg ins Val Müstair

Kurz hinter Müstair überquerten wir dann die Grenze nach Italien (Land Nummer fünf des Tages), und etwa eine weitere Stunde später kamen wir endlich an unserem Ziel an. Puuh. Eine lange Fahrt, ein langer Tag – aber der Umweg hat sich wirklich gelohnt!

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